Endlich Physikum – Die Vorklinik in Pécs

Es ist vollbracht, ich halte mein Physikum in Händen. Nach 2 Jahren, 4 Semester, 56 Wochen Vorlesungszeit und 28 Wochen Prüfungszeit hat man nicht nur Anatomie, Physiologie und Biochemie gelernt und gebüffelt, sondern hat auch einiges über sich selbst gelernt.

Vorklinik in Pécs  – ein Resümee

Als ich im September 2013 das erste Mal das Hauptgebäude der Universität betrat, war man ich noch ganz schön eingeschüchtert. Alles wirkte so groß, ich noch kleiner als ich es tatsächlich schon bin und meine Kommilitonen schienen wesentlich älter als ich selbst. Der Stoff der Seminare und Vorlesungen war zwar anfangs noch recht leicht, wurde aber zunehmend komplizierter und umfangreicher. Zu dem war das Selbstmanagement noch nicht ausgereift, ich wusste nicht wie viel  und wie tief der Stoff tatsächlich in den Prüfungen verlangt wurde, die Lernmethode war noch längst nicht ausgereift- so war das erste Semester zu schnell vorbei und ich leicht überfordert. So ging es primär am Anfang einfach um Bestanden und damit Weiterkommen.

Im zweiten Semester änderte ich meine Lernmethodik und somit auch mein Selbstmanagement: noch mehr unter dem Semester lernen und zusammenfassen, um in der Prüfungszeit sich in Ruhe vorbereiten zu können. Auch hatte ich nun etwas mehr Zeit und weniger Stress, zudem war nun auch der Ablauf klar und man wusste einfach schon eher was wichtig war und wie die Dozenten so ticken. Diese beiden Erfahrungen sind enorm wichtig, denn erst dann kann man sich an die Anforderungen anpassen und gegebenenfalls auch mehr Leistung herausholen. Zwar spiegelte sich das noch nicht wirklich in meinen Prüfungen wieder, aber alles war auch in diesem Semester bestanden und das zweite Jahr konnte kommen.

So kehrte ich mit frischem Elan und Motivation nach dem langen Sommer wieder zurück nach Pécs. Doch das hielt nicht sehr lange an, denn die lange Denkpause hatte die Konzentration geschwächt und der Berg an Material wurde durch Physiologie und vor allem Neuroanatomie rasch größer. Panik war da nur kontraproduktiv und auch wenn es wie eine Sisphos – Arbeit schien, zog ich mein Lernschema durch, arbeitete die Themen für Anatomie durch, lernte für Testate und versuchte auch die anderen Fächer nicht zu kurz kommen zu lassen. Praktisch, die Panik in Produktivität verwandeln, dass war das Motto für das dritte Semester. Das zerrte enorm an den Kräfte und auch wenn sich jetzt zum ersten Mal meine Lernmethode auszahlte, war ich nach der Prüfungszeit arg geschlaucht. Es ging allen so zum Glück- das dritte Semester hat es in Pécs wirklich in sich und ist nicht zu unterschätzen.

Dafür war das vierte und somit letzte Vorklinik- Semester einfach nur entspannt. Selbst dann, wenn man wie ich noch zusätzliche Kurse belegt hatte. Hier hatte man plötzlich mal wieder so was wie echte Freizeit, die man auch gerade kurz nach der letzten Prüfungszeit gut zur Regeneration brauchte. Wer dem Kurrikulum treu geblieben war, hatte auch nur drei Prüfungen und war somit sehr schnell fertig. Der Sommer konnte kommen.

Und so halte ich nun mein Physikum in Händen und kann noch gar nicht so recht glauben, dass jetzt schon zwei Jahre vergangen sein sollen. Die Zeit verfliegt wirklich und besonders, wenn man gut beschäftigt ist. Soweit bin mit mir und meinen Leistungen sehr zufrieden, die Vorklinik habe ich gut überwunden und jetzt freue ich mich auf die Klinik.

Vorstellungen & Realität in der Vorklinik in Pécs

Ich bin mit wenigen Vorurteilen und genauen Vorstellungen nach Pécs gekommen. Ich wusste nur, dass es nicht immer einfach werden würde und das hat sich gerade am Anfang bestätigt. Aber mit der Zeit wurde es immer eindeutiger, vorhersehbarer und selbstständiger. Das Medizinstudium ist nicht einfach, aber wer kann das schon von seinem Studium sagen?

Man könnte meinen, dass in Ungarn schon eine gewisse mediterrane Gelassenheit und Unorganisiertheit herrscht, so ein bisschen nach dem Motto „Wenn halt nicht heute, dann eben morgen oder übermorgen“.
In der Organisation des Studiums und allen administrativen Dingen kann ich das nicht bestätigen. Das Studienreferat der Uni Pécs ist stets bemüht alle wichtigen Infos schon vor Semesterbeginn  an den Studenten weiterzugeben. Auch die Studienpläne, Vorlesungsverzeichnisse und Seminarstruktur ist weitestgehend gut abgestimmt.
Klar, es ist schon vorgekommen, dass die Besichtigung einer Klinik im Rahmen der Berufsfeldpraktika plötzlich mit 60 Studenten angesetzt war und man sich sicherlich nicht dabei Gedanken gemacht hatte, wie sinnvoll das ist. Wir als geballte Masse liefen dann angeführt von unserem entnervt wirkenden Dozenten durch die Klinik, gefolgt von den Blicken der Patienten, die mehr als nur schockiert wirkten von unserem unkliniklichen Benehmen. Oder als das Sicherheitspapier für die Leistungsnachweise und Studienbescheinigungen leer war und man ewig auf seine Nachweise warten musste. Das war aber auch schon alles, was ich so mitbekommen habe.
Im Alltagsleben jedoch sind die Menschen in Ungarn schon einiges freundlicher und auch entspannter als in Deutschland.

Dem Medizinstudium in Pécs wird meistens nachgesagt, dass es härter und die Prüfungen vergleichsweise schwerer seien als an den anderen ungarischen Universitäten. Ich kann es nicht vergleichen mit anderen Unis, aber ich kann sagen, dass es prinzipiell gut machbar ist. Und die Vorklinik hat es wohl überall in sich. Schon nach dem ersten Semester war klar, dass es keine Schande ist, in eine B- Prüfung zu gehen oder ein Fach zu wiederholen. Manchmal gibt es eben widrige Umstände, ein falsches Lernschema oder Zeitmangel, die einen scheitern lassen- so auch ich. Aber man soll daran nicht verzweifeln und sein Berufsziel in Frage stellen, sondern weitermachen, sein Lernen umstellen und aus den gemachten Fehlern lernen. Und die Prüfer sind ja doch auch nur Menschen und keine unfairen Gegenspieler, die einem unnötige Steine in den Weg legen wollen. Sie wollen schon wissen, ob man die Materie beherrscht und verstanden hat, oder ob man sich nur durchmogelt. Mein Fazit: Machbar!

Die Deutschkenntnisse der meisten Dozenten ist gut bis sehr gut. Freilich gibt es auch Ausnahmen, aber das sind wirklich sehr wenige. Es kommt schon vor, dass manche ungarische Umgangsform rein ins Deutsche wenig Sinn zu machen scheint oder kleine Fehler auftauchen, was einzelne Worte betrifft zum Beispiel Materii statt Materie, dass ist aber unerheblich. Wenn ich an mein Ungarisch denke, kann ich mich eh nur verstecken 😉 Und manchmal ist es auch einfach erheiternd, wenn man ewig überlegt was den „Kvalität“ sein soll.

So bereue ich es überhaupt nicht, nach Pécs für meinen Studienwunsch gegangen zu sein. Es war die richtige Entscheidung und ich weiß, ich würde mich wieder so entscheiden. Die Vorklinik liegt hinter mir, nun folgt ein langer Sommer und dann geht es mit neuer Energie und neuen Erwartungen in den klinischen Teil des Medizinstudium. Ich freue mich schon darauf.

 


 

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About the author

Lisa
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Hallöchen, ich bin Lisa.
Seit 2013 studiere ich in Pécs Medizin. Neben dem hohen Arbeitspensum im Studium schreibe ich auf dieser Homepage über mich, mein Studium und was mir sonst so durch den Kopf geht.

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